Wie gehts weiter?


Quelle: DARC Homepage - Rubrik Jugendprojekte

DARC Mitgliederwerbung

Der Altersdurchschnitt der Funkamateure wird immer älter und junge Funkamateure sind selten geworden. Eine große aktive Jugendgruppe ist wesentlich seltener als vor 25 Jahren zu finden.
Viele Ortsverbände sind Altherrentreffs und werden es leider auch immer bleiben. Der Altersdurchschnitt liegt bei 65 oder mehr Jahren. Jeder funkt für sich allein von zu Hause und man trifft sich einmal im Monat zum Clubabend und zweimal im Jahr zum Grillen, aber nur bei schönem Wetter. Das nennt sich dann Fieldday, wenn ein paar QSOs auf KW und auf der OV-Frequenz gefahren werden. Besonders gelobt wird zum Schluss der hervorragende Kuchen der XYL von OM So und So.

Vor 30 Jahren war bei uns der ganze OV mindestens 8-mal bei einer Funkveranstaltung auf den Beinen. Es gab ein Stationszelt und ein Gemeinschaftszelt. 3 Antennenmasten und 3 Stationen waren alle fast 24 Stunden im Contest QRV. Der Aufwand wurde nur durch das Transportproblem begrenzt. Jedes Auto war schwer bepackt. Das waren noch Zeiten. Wir waren stolz dabei zu sein und das Wetter spielte keine Rolle. Im Gegenteil, je schlechter das Wetter umso besser die Stimmung. Junge und ältere Funkamateure waren begeistert beim Hobby.

Wir sind jetzt wieder aktiv und bieten allen Interessierten am Hobby, ob mit oder ohne Lizenz an, sich in die Gruppe einzubringen. Interesse, Begeisterung und Tatendrang zählen und nicht eine Vereins/OV Zugehörigkeit.

Heute wird allgemein gesagt, dass Internet und das Handy würden die Jugend vom Amateurfunk abhalten.

Ich selbst habe den Amateurfunk nie als Kommunikationsmedium begriffen, sondern als Möglichkeit, andere kennen zu lernen, die auch ein starkes Interesse an technischen Dingen haben. Ein Standart-QSO mit Name, QTH, Station, DOK hat mich nie begeistert, aber eine Verbindung mit längerer Diskussion über ein technisches Problem und seine mögliche Lösung und das Ganze noch für eine gemeinsame Aufgabe (z.B. die Conteststation) hat mich immer sehr erfreut.

Ich habe im Alter von 15 Jahren 1977 Lizenz gemacht und mich sofort im OV stark engagiert. Ich habe mehreren OMs geholfen gewaltige Antennen zu bauen und habe dabei für mein späteres berufliches Leben viel gelernt. Ich habe von diesen erfahrenen OMs viele verschiedene Dinge beigebracht bekommen und nutze dieses Breitbandwissen auch heute noch. Andere OMs führten mich in die Elektronik ein und halfen mit 1986 den TNC2C für Packet-Radio zu entwickeln. Auch mit dem Computer wurde früher im OV viel gemacht (Contestauswertung, Satellitenprogramm). Jeder Bereich der Technik, von der Mechanik, über Wellenausbreitung auf UKW, Elektrik, Elektronik und Software war in unserer Gruppe aktuell.

Wir sind eben ein technisch-wissenschaftlich experimenteller Funkdienst und diese Ausbildungsmöglichkeit können Handy und Internet nicht ersetzen, höchstens unterstützen. Kein Mensch beschäftigt sich freiwillig mit technischen Problemen, wenn er sie nicht hat. Es gibt aber mehr als Plug and Play. Erst muss man den Plug (Stecker) anlöten können und dann muss es ja nicht unbedingt Play (Spielen) sein, sondern auch das Verstehen einer Funktion eines Gerätes kann auch sehr interessant sein.

Funkamateure wollten immer wissen wie es funktioniert, und wenn es funktionierte, wollten sie wissen, ob es nicht noch besser geht. Wir können der Bevölkerung helfen technische Zusammenhänge zu begreifen, und dann mit weniger Angst durchs Leben zu gehen. Mit der Angst lassen sich gute Geschäfte machen. Wir wissen, dass von Funkwellen keine Gefahr ausgeht, aber wir sollten keine Angst haben, dies auch zu sagen. Wir bieten die Erklärung des Phänomens Funkstrahlung kostenlos, die mit Angst-Geschäfte-Macher wollen gleich viel Geld für ihre abstrusen Theorien.

Wenn wir unser Wissen über die Technik anderen Menschen anbieten, dann kommen auch wieder Menschen zu uns die etwas lernen wollen. Vielleicht entsteht am Ende eines solchen Lernprozesses dabei ein aktiver Funkamateur, der seinerseits sein Wissen an Interessierte weiter gibt. Mit Sonder-DOKs verteilen kommen wir auf jeden Fall nicht weiter.

Alle müssen an der Zukunft des Amateurfunks arbeiten, auch der DARC mit seinen vielen Rentnern. Denn auch die Älteren unter uns haben viel im Leben vom Amateurfunk profitiert und sollten jetzt alles daran setzen, dass der DARC nicht eines Tages nur noch Deutscher-Amateur-Rentner-Club heißt. Speziell der Altersbereich zwischen 20 und 40 ist gefragt, um durch Information und Werbung unter Gleichaltrigen, den Durchschnitt in der Altersstruktur wieder zu senken.

Auch müssen wir unsere Fähigkeiten zu gemeinsamer Arbeit in Gruppen verbessern. Individualisten, die nur an sich denken, gibt es genug auf dieser Welt.
Die Ellenbogengesellschaft lässt grüßen. Der Nachbar-Ortsverband ist kein Feind oder Konkurrent, sondern eine Gruppe von Funkamateuren, die im selben Verein sind und das Gleiche wollen. Vielleicht ist es gar nicht mehr notwendig alte Feindschaften zwischen Ortsverbänden zu pflegen, weil sich 2 OMs vor 30 Jahren nicht leiden konnten und heute gar nicht mehr leben, sondern über die Zusammenlegung von OVs nachzudenken, denn Gemeinsamkeit macht stark. Wenn es in einem OV nicht genügend Aktive gibt, reicht es vielleicht mit dem Nachbar-OV zusammen, eine Aktivität zu machen, die alleine nicht möglich war.

Mit mehreren OVs zusammen sind Aktivitäten möglich, die allein undenkbar wären und zwar von allen Seiten: Der finanziellen Seite (Geld), der technischen Seite (Wissen) und der personellen Seite (Zeit). Dann werden wir auch wieder für neue Mitglieder attraktiv, wenn etwas los ist im Amateurfunk. Wir brauchen uns nicht zu verstecken, denn wir haben geballtes Wissen zur Verfügung, wir müssen es nur offensiv zur Verfügung stellen.

Lasst uns gemeinsam ein Zeichen setzen, damit unser Altersdurchschnitt unserer Mitglieder wieder sinkt. In 10 Jahren haben wir nicht mehr die Kraft für eine solche Aufgabe. Dann wird es zu spät sein. Fangen wir am Besten gleich an.

ULRICH DK9UMA
Ohne Nachwuchs sehen wir schlecht aus.

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